Joseph A. Schumpeter

Leben

(* 8. Februar 1883 in Triesch, Mähren; † 8. Januar 1950 in Taconic, Connecticut); Nach dem frühen Tod des Vaters zog Schumpeters Mutter Johanna nach Graz, wo sie 1893 den um 32 Jahre älteren Leutnantfeldmarschall Sigismund von Kéler ehelichte und mit ihm nach Wien übersiedelte. Nach einer ausgezeichneten Matura am Theresianum begann Schumpeter ein Studium der Rechte, wandte sich jedoch unter dem Einfluss der Menger-Schüler Friedrich von Wieser, Eugen von Böhm-Bawerk und Eugen Philippovich von Philippsberg vor allem der Nationalökonomie zu. Nach seinem Abschluss fügte er an der London School of Economics sowie in Oxford und Cambridge seiner „österreichischen“ eine damals noch seltene englische Ausbildung hinzu. Mit Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie (1908), die eine ausgewogene Darstellung des Methodenstreits sowie ein deutliches Plädoyer für den methodologischen Individualismus enthielt, wurde er noch im selben Jahr habilitiert und trat 1909 eine außerordentliche Professur in Czernowitz, in der heutigen Ukraine an. 1911 wurde er im Alter von 28 Jahren auf den Lehrstuhl für „Politische Ökonomie“ an die Universität Graz berufen. Kurze Zeit später veröffentlichte er seine Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1912), die rasch internationale Beachtung fand. 1914 übernahm Schumpeter eine Gastprofessur an der Columbia University in New York. Aus Amerika zurückgekehrt, wurde er sogleich zum Dekan der Grazer Juridischen Fakultät gewählt. Schumpeter verstand sich vor allem als Wissenschafter. Wiederholt betonte er, dass er sich aller politischen Wertungen enthalten und allenfalls theoretische Entscheidungshilfen für wirtschaftspolitische Maßnahmen geben wolle. Trotzdem übernahm er politische Tätigkeiten und Funktionen. Unmittelbar nach dem Weltkrieg wurde er Mitglied der deutschen Sozialisierungskommission. Zum Erstaunen aller trat Schumpeter für die vollständige und sofortige Verstaatlichung des Kohlebergbaus ein. 1919 wurde Schumpeter sogar als Finanzminister in die sozialistische Regierung berufen. Sieben Monate später musste er allerdings wieder zurücktreten. Ab 1925 lehrte Schumpeter als ordentlicher Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften in Bonn und sorgte dafür, dass Bonn zum Treffpunkt für Ökonomen aus aller Welt wurde. 1932 beendete Schumpeter seine Lehrtätigkeit in Deutschland und wechselte an die Harvard University nach Cambridge (USA). Wie schon zuvor in Bonn konnte er auch in Harvard einen illustren Kreis von enthusiastischen post-graduate Studenten und jungen Forschern um sich scharen. Schumpeter trug so wesentlich zum „golden age of economics“ in Harvard bei. Seine Arbeiten zur Unternehmertheorie sowie zum Kapitalismus machten ihn zu einem der bekanntesten Ökonomen der USA. Aus dieser Zeit stammen drei große Werke: die Business Cycles (1939), sowie Capitalism, Socialism, and Democracy (1942) und History of Economic Analysis (1954).