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Tradition?

Die Wortwurzel der Tradition ist das Weitergeben: Nicht stur an Bestehendem festzuhalten gilt es, sondern Wertvolles mit neuem Leben zu erfüllen und Verlorenes wiederzugewinnen, was aber nicht ausschließt, auch bislang unbetretene Pfade mutig zu begehen und ungeahnte Wege zu weisen. Die Erkenntnissuche ist eine alte Tradition, die Erkenntnisliebende über Generationen und über den Erdkreis miteinander verbindet. Auf diese Weise gelingt oft das Unmögliche: über den Tod hinaus zu lehren und Menschen anzusprechen.

Wir hängen der traditionellen Perspektive an, die Ökonomie - neben Ethik und Politik - als Teil der praktischen Philosophie anzusehen. Freilich haben auch diese Begriffe eine ganz andere Bedeutung als die, unter der man sie uns heute verkaufen will. Wir wollen das reale Handeln realer Menschen gründlich verstehen, ohne ideologische und moralische Scheuklappen. Und wir halten es, in aller Bescheidenheit und ohne Anmaßung, für unsere Verantwortung, Orientierung zu bieten. Nichts halten wir von einer Ethik, die schnelle Rezepte und politische Allmachtsphantasien formuliert. Ethik ist für uns das Nachdenken über gute Gewohnheiten und gute Praxis im Sinne menschlicher Lebensübung im Hier und Heute - ganz nach der ursprünglichen griechischen Bedeutung: Die Kunst, in unserer Welt eine gute Heimstätte zu finden, uns diese Welt vertraut zu machen und in ihr ein gutes Leben zu führen. Politik meint dem klassischen und auch unserem Verständnis nach die Kunst, das Miteinander mit anderen Menschen gut zu gestalten und so eine Ordnung zu finden, die es in der Folge zu fördern und zu bewahren gilt und die uns dann erlaubt, unser menschliches Potential voll zu entfalten. Mit Parteipolitik, Fanatismus und dem Pragmatismus der Macht wollen wir nichts zu tun haben. Ökonomik schließlich ist die Kunst, mit den uns anvertrauten Mitteln gut umzugehen, Werte zu schaffen wie zu erhalten und mit anderen eine Verbindung einzugehen, die beide Seiten ihren Zielen näher bringt. Oft sprechen wir auch von der Ökonomie im Sinne des Nachdenkens über die Phänomene der Ökonomik. Der unrealistischen "Volkwirtschaftslehre" moderner "Experten" mit ihren absurden Modellen und Formalismen setzen wir das Nachdenken über das Handeln realer Menschen entgegen. Wir gehören zu den weltweit profundesten Kennern der Tradition der Wiener Schule der Ökonomie, die vor allen anderen den homo oeconomicus als Zerrbild ablehnte und sich an realistischer Ökonomie versuchte. Unsere eigene Tradition reicht jedoch weit über diese Schule hinaus. Wir hängen keiner einzelnen "Schule" mit ideologischer Verbissenheit an. Eine "Schule" in dieser engeren Bedeutung ist ein Forschungsprogramm, bei dem man eine Weile lang auf dem selben Weg entlangläuft. Wir rechnen uns der alle Schulen transzendierenden und Jahrtausende alten Tradition des Nachdenkens über die Welt und den Menschen zu - der Tradition der Gelehrten.

Gelehrte?

Das Wort klingt heute allzu groß, vielleicht, weil es nicht mehr in die Zeit zu passen scheint. Tatsächlich war das traditionelle Selbstverständnis von Gelehrten stets als "Zwerge auf den Schultern von Riesen" zu stehen. Bescheidenheit ist deshalb die erste Tugend des Gelehrten, denn je größer der Durchmesser unseres Wissens ist, desto größer ist auch der Umfang unseres Nichtwissens. Schon die frühesten Philosophen haben dies erkannt. Neben der Vermittlung von Wissen ist die noch wichtigere Aufgabe des Gelehrten, Respekt vor unserem Nichtwissen zu vermitteln und der Hybris der vielen Besserwisser, die nach Macht drängen, einen Dämpfer zu geben.

Wir verwenden den Begriff des Gelehrten, weil er für uns einen klaren Gegensatz zum modernen Experten ausdrückt. Der Experte weiß immer mehr über immer weniger, bis er schließlich alles über nichts weiß. Heutige Universitäten bringen meist nur noch hochspezialisierte Disziplinen hervor, die sich untereinander kaum mehr verstehen, die nicht mehr zu den Menschen außerhalb ihres engen Geheimbundes mit dessen Geheimsprache sprechen können, und die Realität so weit zerstückeln, bis vollkommen unrealistische Hirnakrobatik dabei herauskommt. Die Universität und der Universalgelehrte sind ursprünglich von einem ganz anderen Zugang getragen. Die universitas ist die Gesamtheit und Gemeinsamkeit, in der die Welt nur verstanden werden kann. Wir sprechen der Spezialisierung nicht ihre Berechtigung ab. Wir behaupten bloß, daß es ein großer Verlust war, den unabhängigen Universalgelehrten dafür gänzlich aufzugeben.

Einst hatten uns alle für verrückt gehalten, nicht geradlinig einer akademischen Karriere zu folgen und einen gutbezahlen Job als Experte im Dienst von Staat, Konzernen oder Banken anzustreben. Mit viel Einsatz und Leidenschaft haben wir es aber trotzdem geschafft, unseren eigenen Ort der Muße zu erobern, abseits einer gehetzter "Karriere" - und daß dieses Wort von "laufen" kommt, spricht Bände. Viele gibt es nicht, die den Mut haben, den Weg des unabhängigen Gelehrten zu gehen. Darum war es nur natürlich, daß wir uns fanden. Unsere Schule verstehen wir als unsere Zunft, die uns selbst und Leuten, die diesen Weg ebenso gehen wollen, den Rücken stärkt.

Unser Logo

Das Symbol, das Sie neben unserem Schriftzug finden, steht sinnbildlich für unseren Zugang. Es handelt sich um eine alte Ligatur, die wir noch auf heutigen Tastaturen als "kaufmännisches Und" finden: &. Erst im Betrachten der älteren Formen dieser Ligatur fällt auf, was sie eigentlich bedeutet. Ligare ist Latein für verbinden. Ursprünglich sind hier ein "e" und ein "t" kunstvoll verbunden und ergeben et - das lateinische Wort für und. Bei diesem Wort handelt es sich um den sprachlichen Inbegriff der Verbindung. Ligaturen verweisen auf die abendländische Tradition des schriftbasierten Gelehrtentums. Die Ligatur ersparte dem Schreiberling in der Zeit vor Buchdruck und Digitalisierung das Absetzen der Feder, ohne die Schönheit des Schriftbilds falscher Effizienz zu opfern.

Wir haben ein kaufmännisches Symbol gewählt, weil die Menschen heute oft erst zuhören, wenn es um ihr Geld geht. Doch um die Ökonomie zu verstehen, an der sich oberflächlich tieferliegende Dynamiken offenbaren, muß man ein wenig in der Geschichte zurückgehen und in die Philosophie wagen. So ist es auch bei dieser Ligatur; und sie steht zugleich für jene gute Ökonomik, die manche Denker Katallaktik nannten: Katallein bedeutet nicht nur tauschen, sondern auch "vom Feind zum Freund machen". Das ist die Essenz guter Ökonomik: Menschen zu verbinden.

Schließlich ist das Verbinden auch die Kernaufgabe des guten Gelehrten: Die Gräben der Ideologien durch Erkenntnis und Austausch zu überwinden und den alten Faden der Erkenntnis wiederaufzunehmen und neu zu verknüpfen, wo er gerissen oder noch lose ist. In der großen Ligatur des Wissensliebe, die die Menschen eint, wo sie ihr Handeln trennt, wollen wir die Feder niemals absetzen.

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→Lernen Sie die unabhängigen Denker kennen, die im Institut Muße finden, eine Tradition am Leben halten und ihre Werke vorstellen.